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Was ist nur los mit der katholischen Kirche?

15 Mrz 10
Brigitte Jäger-Dabek
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Unbedeutendes Geschwätz ist die Kritik am Umgang Roms mit Missbrauchsskandal, sagt Kardinal Sodano.

Wie ist es möglich, dass dieser Satz ungestört, nicht zurückgenommen vom Papst persönlich, einfach so von Angelo Sodano, dem Vorsitzenden des Kardinalskollegiums, gesagt werden durfte: „Heiliger Vater, das Volk Gottes ist mit Dir und wird sich nicht von dem unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen lassen“?

Ist das der Umgang mit dem Missbrauchsskandal, den der Papst, den die katholische Kirche will? Doch wieder vertuschen und verharmlosen um jeden Preis. Am Ende lag auch wieder eine Mitschuld bei den Opfern? Das ist eine Verhöhnung der Opfer und ungefähr so unsäglich, wie die Holocaust-Leugnung des Erzbischofs und fanatischen Holocaust-Leugners Richard Williamson.

Nur ein hoher Kirchenmann fand klare, den Vorfällen angemessene Worte. Der Kardinal und Mainzer Bischof Karl Lehmann geißelte den Sumpf aus Missbrauch, Gewalt und Vertuschung in der Kirche. In seiner Karfreitagspredigt verdammet er die Vergehen gegen Kinder und Jugendliche als Verrat am Evangelium.

Das Bittere daran ist, dass der deutsche Papst als Intellektueller genau das tut, was in der deutschen Politik seit Kohl und Angela Merkel in Mode gekommen ist: aussitzen, abtauchen, schweigen. Was die Politik betrifft, liegt es an uns, ob Politiker damit durchkommen, wir können sie schließlich abstrafen und abwählen.

Das kann dem Papst nicht passieren. Anders als in der Politik, wo Angelo Sodano jetzt seinen Hut nehmen müsste, kann der Papst nicht abgewählt werden, noch kann ein Kardinal so einfach entlassen werden. Im schlimmsten Fall wird er als Bauernopfer in ein neues Amt geschoben.

Das macht einen großen Teil des Verlusts an Glaubwürdigkeit aus, an dem unsere Kirchen leiden und dieses Problem ist hausgemacht. Ist Kirche mal wieder so weit weg von ihrem Fußvolk, dass sie nicht merkt was es bedeutet Kinder, die im Glauben an die besondere moralische Autorität der Kirche dieser anvertraut wurden, zu misshandeln und zu missbrauchen? Ausgerechnet von Priestern und Nonnen, denen man nichts als Christi Liebe zutraut?

Und die evangelische Kirche, meine Kirche? Ja, meine Landesbischöfin ist betrunken Auto gefahren. Aber sie hatte ihren katholischen Amtsbrüdern eines voraus: Das Wissen darum, dass ein Amtsträger in der Kirche, dem von ihm ständig von der Kanzel verkündeten moralischen Anspruch zuvorderst einmal selbst genügen zu müssen.

Unzulässig ist es aber, zwischen Zölibat und Pädophilie einen Automatismus herzustellen, der quasi alle katholischen Priester unter Generalverdacht stellt. Missbrauch und Misshandlungen gab es leider auch in Einrichtungen der evangelischen Kirche.

Es wird Zeit, einen radikalen Schnitt zu machen und zwei Punkte in den Mittelpunkt zu stellen: die uneingeschränkte Sorge für die Opfer, die Anerkennung ihres Leides, die Bitte um Verzeihung und die Verfolgung der Täter, wo dies noch möglich ist dazu natürlich die Überlegung, wie so etwas in Zukunft zu verhindern ist.

Es gibt Zeiten, in denen es nicht unbedingt leicht ist, Christ zu sein. Nicht einmal zu Ostern, dem Fest der Hoffnung und des Lichts.